Unwetter Euskirchen/Mechernich vom 28.08.2002

Mechernich: Ein Drittel der Stadt unter Wasser
600 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flut
(Quelle: Koelnische Rundschau)
 
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Reifferscheid/Mechernich. Vor wenigen Tagen ging Lkw-Fahrer Karl-Heinz Hupp in Wiesen und Reifferscheid von Haus zu Haus und bat um eine Spende für die Hochwassergeschädigten an der Elbe. Das Geld wollte er selbst hinüber bringen. Nun ist er selbst hochwassergeschädigt.

Das Unwetter, das am Mittwoch auch das Ländchen traf, hatte den Manscheider Bach in Wiesen über die Ufer treten lassen. Hupps Keller lief fast 1,70 Meter hoch voll mit einer stinkenden gelben Brühe und Schlamm.

Der sonst so friedliche Manscheider Bach setzte 15 Wohnungen und Keller unter Wasser. Auch die Zimmerei Hupp lief zu großen Teilen voll Wasser, dort entstanden enorme Schäden.

Gegen 20 Uhr ging der Gewitterschauer in Kreuzberg, Hecken und Krekel nieder. 20 Minuten später waren schon die Feuerwehrleute aus Kreuzberg und Hecken im Einsatz. Eine gute Stunde später fasste der Manscheider Bach die Wassermassen nicht mehr. Die Brücke in Wiesen wurde zum Hindernis. Die heranbrausenden Wassermassen stauten sich an ihr, flossen dadurch über die Straße und fluteten die Keller.

Die Feuerwehren der Gemeinde rückten unter der Leitung von Gemeindebrandmeister Ulrich Berners an und pumpten Keller um Keller leer. Um das Sägewerk der Firma Hupp zu schützen, bauten die Wehrmänner eine Wand aus Bohlen und stützten diese mit ihren Feuerwehrfahrzeugen. Anlieger Bernd Hupp verstärkte mit einem Radlader den Bohlendamm durch Erde: "Wir haben so an der Stelle das Wasser bis zu einer Höhe von 70 Zentimetern aufhalten können", freute sich Gemeindebrandmeister Ulrich Berners.

Bei Karl-Heinz Hupp wurde das Wasser aus dem Keller nicht nur abgepumpt, sondern zusätzlich mit Eimern hinausgetragen. Sein gesamter Heizungsraum war überspült. Das Wasser hatte die Kellerfenster aufgedrückt und war dort in breitem Strom hineingelaufen.

Bis zum Donnerstagmorgen räumten die Wiesener zusammen mit den Wehrleuten auf und fuhren den Dreck weg, der auf der Straße lag.

Auch in Mechernich werden viele Bürger das Unwetter von Mittwoch nicht so schnell vergessen. Seit 28 Jahren ist Franz-Josef Keus Feuerwehrmann. "Doch so einen Einsatz wie Mittwochnacht habe ich auch noch nicht erlebt", sagt Mechernichs Stadtbrandmeister: "Ein Drittel der Stadt stand unter Wasser." In 70 bis 80 Kellern des Stadtgebiets Mechernich hatte die braune Brühe ihr Unheil angerichtet.

150 Feuerwehrmänner schlugen sich allein im Stadtgebiet Mechernich die Nacht von 19.30 bis 4 Uhr mit Wasser pumpen und Sandsäcke schleppen um die Ohren. "Hunderte von Säcken wurden an die Ufer des Veybachs getragen", berichtet Keus. Einen Teil hatte die Feuerwehr vorrätig, weitere kamen vom Bauhof. Auch die Kaller Wehr schickte 1000 Sandsäcke.

"Wir hatten auch schon die Berufsfeuerwehr Köln angerufen. Die waren schon auf dem Weg, um uns Sandsäcke zu bringen, doch dann ging das Wasser zurück. Da haben wir die Kollegen wieder abbestellt." Ein dickes Lob hat Keus für die betroffenen Bürger parat: "Die waren natürlich aufgeregt, haben sich aber trotzdem sehr vernünftig verhalten."

Das mag nicht immer leicht gewesen sein: Teilweise standen auch Kellerwohnungen unter Wasser: "Das Mobiliar ist natürlich nicht mehr zu gebrauchen." Wohltuend sei gewesen, dass viele Menschen anderen ihre Hilfe angeboten haben, findet Keus.

Auf Burg Satzvey gingen die Ritter, die bereits ihre Zelte fürs Wochenende aufgebaut hatten, baden. Ritter und Fahrensleute wurden kurzfristig im Feuerwehrgerätehaus untergebracht. Unterhalb der Burg befand sich außerdem ein Jugendzeltlager, das vorsorglich geräumt wurde.

Im Kreisgebiet waren wegen des Unwetters 600 Feuerwehrleute und 15 THW-Helfer im Einsatz.
 
 



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