Unwetter durch Orkanwirbel Gertrud

ein Bericht vom 21.05.2006 von Karl-Josef Linden:

Orkanwirbel „GERTRUD“ verbreitete Angst und Schrecken

„Ich dachte die Welt geht unter !“ dieser Satz war hundertfach zu hören am
Samstagnachmittag. Trotz der Unwetterwarnungen aller Wetterdienste fanden im
Kreis Aachen zahlreiche Veranstaltungen bis in die Abendstunden statt. Wenn man
die Bilder herumfliegender Zelte, schwankender Schiffe oder umstürzender Bäume
vor Augen hat, muss man deutlich sagen, dass oft leichtsinniges Handeln oder
der Profit mögliche Gefahren übersehen lässt.
Windhosen, Böen über 100 km und großer Sachschaden waren in NRW noch nicht das
schlimmste. Es gab einen Toten und mehrere Verletzte und das hätte jeden Kreis
in NRW treffen können.
Eine gute Lösung war das Unterbrechen von Veranstaltungen (wie beim CHIO in
Aachen)  oder die Verlagerung der Veranstaltungen in Hallen (WDR 4 Matinee in
Blankenheim am Sonntagmorgen).
Insgesamt wurden fast 100 Einsätze der Feuerwehren im Kreis Aachen von der
Rettungsleitstelle koordiniert. Meist waren es große Äste, Dachteile oder Bäume
die mit Sägen von den Fahrbahnen oder Schienen geräumt wurden.
Vormittags stürmte und regnete es nur in den Hochlagen der Eifel anhaltend.
Hinter der Eifel von Aachen bis Düren schien die Sonne sogar noch einige
Stunden.
Dann fiel der Luftdruck rapide bis auf 992 hPa und man konnte einen regelrecht
herbstlichen Eindruck gewinnen. Kurz vor 14 Uhr stieg plötzlich der Druck an
und die Sonne schien trügerisch im Zentrum des Orkanwirbels Gertrud. Für die
Meteorologen ein untrügliches Zeichen das die Kaltfront des Sturms vor der
Haustür steht.
Ich konnte noch einige telefonische Warnungen an die Feuerwehren, die
Radiosender oder einige Veranstalter geben, so dass viele Menschen in
gespannter Erwartung des Unwetters ihre Veranstaltungen feierten.
Mit Windgeschwindigkeiten, die eher für den Herbst typisch sind, jagte die
Kaltfront dann zwischen 14 Uhr und 14:30 Uhr über das Aachener Land und die
Nordeifel. Zwar erreichten wir nicht den NRW Höchstwert aus Bad Lippspringe
(112 km/h) doch mit Stärke 9 bis 10 wurden für Mai enorm hohe Werte gemessen.
Zudem krachten Blitz und Donner noch in diese chaotische Wettervorstellung.
Fast waagerecht stürmte die Wassergischt gegen die Häuser und viele Bürger
reagierten mit panischer Flucht. Hagelkörner und Platzregen waren für viele
Autofahrer zuviel, sie suchten Schutz unter Brücken.
Es war aber nicht die einzige Schauer an diesem Nachmittag es folgten mehrere
Staffeln Regen und Sturm. Noch um 23 Uhr, 9 Stunden nach der Kaltfront, fegten
die Böen mit 70 km/h über die Eifel und Fallwinde wirbelten das Wasser auf den
Talsperren zu riesigen Wellen am Ufer auf.
Die hochreichende Kaltluft ließ die Temperatur mit den Schauern z.B. zwischen
Mützenich und Udenbreth bis auf herbstliche Werte von 4 Grad um 14:30 Uhr
sinken. Im Zuge der Schauer fielen von Aachen bis in die Nordeifel meist 15
l/qm, mal mehr oder weniger von Hagel durchsetzt.
Hier eine Zusammenfassung der schlimmsten Böen:
Bonn-Roleber 94 km (Stärke 10), Nörvenich 90 km (Stärke 10), Düren 87 km (9),
Schöneseiffen 86 km (9), Nürburg und Kalterherberg 83 km (9), Elsenborn 82 km
(9), Monschau-Mützenich 80 km (9), und Aachen 76 km (8).
Die herbstliche Tristesse hält auch in dieser Woche weiter an. Für den Vatertag
zeigen die Prognosekarten zur Zeit nur 10-14 Grad bei Sturm und wiederholtem
Regen.
Anscheinend arbeitet sich das Wetter zur Zeit schon für die Fußball WM vor,
denn nach kalter zweiter Maihälfte folgt gerne ein heißer Auftakt im
Sommermonat Juni.



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