Jahrhundertsommer 2003 - Teil II

von Karl Josef Linden:

Der Jahrhundertsommer 2003 in Eifel und Voreifel
Ein Rückblick auf die Highlights der heißen Jahreszeit


Der Sommer der Rekorde ist vorbei aber die Auswirkungen der Trockenheit sind immer noch zu spüren. An den letzten Septembertagen wurde in Köln ein neuer Jahrhundertrekord des Rheinpegels registriert. Der bisherige Rekord stammte aus dem Jahr 1947.
Jetzt Ende September ist es Zeit, ein wenig nostalgisch zurückzublicken und Fragen nach Höhepunkten und negativen Auswirkungen zu stellen.
Die Freibäder, die Tourismusbetriebe, die Grill-, Getränke-, und Speiseeisindustrie werden sich jetzt im Herbst noch einmal die Hände reiben dank dieses anhaltend schönen Sommerwetters.
40,1 Grad in Euskirchen, 39,9 in Kuchenheim, 39,3 Grad in Zülpich und 39,1 Grad in Düren - das hatte es in NRW noch nie gegeben. In allen Höhenlagen wurden die bisherigen Hitzerekorde vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte gelöscht. Bis herauf in Höhen oberhalb von 600 m Seehöhe wurden noch unglaubliche 33-35 Grad gemessen. In Mont Rigi im Hohen Venn auf 674 m war es am heißesten Tag des Sommers (12.8.) immerhin noch 33,1 Grad.
Der anhaltende Sonnenschein und die große Hitzewelle Anfang August hatten aber auch ihre Schattenseiten. Am 12.8. stiegen die Ozonwerte zwischen dem Phantasialand und den Eifelwäldern kurzzeitig auf neue Höchststände von 334 Mikrogramm pro Kubikmeter. Auch die Waldbrandgefahr erreichte enorme Auswirkungen und nur der Besonnenheit der Bürger und dem raschen Eingreifen der Feuerwehren ist zu verdanken, dass keine größeren Brände entstanden, wie z.B. Moorbrände im Hohen Venn.
Viele Kreisbewohner haben sich kurzfristig umentschieden und sind einfach daheim geblieben, um auf Balkonien oder am Liblarer See
Urlaub zu machen, wie sonst auf Gran Canaria oder Mallorca.
Anders als im extrem nassen Sommer 2002 herrschten in diesem Jahr Hochdruckwetterlagen über Europa. Ursache war eine ungewöhnliche weite Verschiebung des Azorenhochs nach Nordosten. Dadurch konnte immer wieder eine Hochdruckbrücke zum Ostseehoch entstehen. Atlantische Tiefs mussten auf großem Bogen nordwärts an uns vorbeiziehen. Schon zum Frühlingsanfang hatte sich diese Situation eingependelt und bescherte uns einen tollen Frühling. Ähnlich wie im Jahre 1947 herrschte also Sommerwetter von März bis in den Oktober. Der niedrigste Wasserstand wurde 1947 erst am 4. November am Pegel Köln erreicht. Es ist also zu befürchten, dass auch in diesem Jahr die Trockenheit noch eine Weile andauert.
Besonders klar ist die Güte eines Sommers an der Zahl der Sommertage über 25 Grad abzulesen. Der bisherige Rekordhalter der letzten 175 Jahre war der Trockensommer 1947 mit 70 Sommertagen in Euskirchen (76 in Aachen). In diesem Jahr durften wir in Euskirchen 71 und in Zülpich 74 Sommertage genießen, in Aachen aber waren es nur 56.
Ein weiteres Indiz für die Qualität ist die Mitteltemperatur der drei Sommermonate. Seit 1829 werden in unserer Region Messungen durchgeführt und bisher war der Sommer 1947 mit Abstand der Spitzenreiter, doch das änderte sich 2003 überall:
Aachen 1947 mit 19,8 Grad; 2003 sogar 20.0 Grad
Euskirchen 1947 mit 19,6 Grad; 2003 sogar 20,7 Grad (Zülpich 20,5)
Sistig 1947 mit 16,6 Grad und 2003 sogar 18,6 Grad
Also auf den Bergen war der Sommer noch ungewöhnlicher als im Flachland.
Die Niederschläge wurden nur im Juni durch Gewitter bereichert, danach blieben diese fast vollständig aus. Auch hier wieder zwei Beispiele für die Trockenheit. Seit Anfang März bis Ende August sind in sechs Monaten nur 75% der Niederschläge sowohl in der Eifel als auch in der Börde gefallen. Durch die Hitze und die vielen Sommertage ist die Verdunstung aber enorm anstiegen, so dass dem Boden deutlich weniger Wasser zur Verfügung stand als diese 75% des Niederschlages.
Allen Lesern wird aber der anhaltende Sonnenschein seit Karneval und dann besonders in den Sommermonaten in ewiger Erinnerung bleiben. So etwas hat zuletzt der Sommer 1959 zustandegebracht:
Euskirchen 1959 im Sommer 739 Stunden, jetzt 706 Stunden.
Aber auch die Hocheifelgemeinden zwischen 500 und 600 m Seehöhe bekamen eine dicke Scheibe vom Sonnenschein ab: in Schöneseiffen waren es 709 Stunden also noch mehr als im Flachland.
Nach dem herrlichen Spätsommer im September wäre ein goldener Oktober jetzt natürlich ein genialer Nachtisch und die Prognosekarte zeigen auch ein warmen sonnigen Start.



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